Schöne Stadt mit großer Geschichte

Eine Kurzreise mit der Amelia nach Amsterdam – und zu einer Stadt, die sich als echte Entdeckung entpuppt: Willkommen in Nimwegen an der Waal!

135 Meter lang, 216 Gäste bei Vollbelegung: Damit gehört die Amelia zu den Megalinern auf dem Rhein. Wir lernen sie auf einer  herbstlichen Kurzreise kennen, mit Kurs auf Amsterdam und Nimwegen, und erleben eine hochmotivierte, freundliche Crew, die ebenso wie das vielfältige kulinarische Angebot einen nachhaltigen Eindruck hinterlässt. Christian Dujardin, der Kreuzfahrtleiter in Diensten von Phoenix Reisen, und der junge Hotelmanager Rudolph van der Meulen ergänzen sich perfekt. Bereits am ersten Abend haben wir die Qual der Wahl zwischen den Restaurants „Loreley“  beziehungsweise „Wachau“ oder einem zünftigem Kajütenschmaus im „Lido Bistro“. Liebevoll ist die Präsentation aller Speisen, hochwertig die Qualität – voll verdiente vier Sterne. Eine besondere Erwähnung verdient der obligatorische Mitternachtssnack: Auch noch zu vorgerückter Stunde sind die Bratwurst mit hausgemachter Currysauce und die ungarische Gulaschsuppe Versuchungen. Die meisten Servicekräfte sprechen sehr gut Deutsch, und die Mitarbeiter an der Bar und im Salon sorgen für ein fast familiäres Flusserlebnis.

Flusskreuzfahrtschiff MS Amelia: Bug und Vorschiff

Nach einer Nacht in ruhiger Fahrt erreichen wir Amsterdam. Mehr als 12 Stunden haben wir hier Zeit für persönliche Entdeckungen in der niederländischen Metropole – oder für geführte Besichtigungen im Rahmen der organisierten Ausflüge. Fazit am Abend: Zu Recht zählt Amsterdam zu den wichtigsten Destinationen bei Flussreisen in Europa. Doch auf dieser Reise wird es uns auch ein anderes, in den Prospekten manchmal  als „Sekundärziel“ vernachlässigtes Städtchen ganz besonders antun:  das zwei Jahrtauende alte Nimwegen – auf Niederländisch Nijmegen –, das uns mit strahlendem Sonnenschein empfängt. Und mögen wir auch als erstes in die auffällig lange Fußgängerzone geraten: Wir spüren bald, dass Nimwegen mehr ist als nur als nur eine beliebte „Shopping Destination“ in Grenznähe.

Idyllischer Park in Nimwegen

Mit ihrem Alter fängt es an: Zusammen mit Maastricht und Dordrecht kämpfen die Bewohner der Hansestadt um den Titel „Älteste Stadt der Niederlande“. Nimwegen hat römische Wurzeln – und feierte 2005 den 2000. Geburtstag. Die Römer unterhielten hier den Militärstützpunkt „Ulpia Noviomagus Batavorum“; später folgten Merowinger und Karolinger. Karl der Große ließ um das Jahr 777 auf den Mauern der römischen Vorgängerbauten eine Pfalz errichten; ihre Fertigstellung erlebte er jedoch nicht mehr. Rund 100 Jahre später eroberten die Normannen die Kaiserpfalz und brannten sie bei ihrem Abzug nieder. In ottonischen und salischen Zeiten folgten königliche und kaiserliche Hoftage. Gegen 1030 wurde auf dem Pfalzgelände die St.- Nikolaus-Kapelle errichtet. Sie gilt als eines der ältesten Gebäude der Niederlande und könnte eine Stiftung zum Gedächtnis der Kaiserin Theophanu sein, anno 991 in Nimwegen verstarb und den Kult um den heiligen Nikolaus im Reich bekannt gemacht hat.

Shakespeare in love Schönes Heck: die MS Amelia beim Anlegemanöver

Nur einen kurzen Spaziergang braucht es vom Schiff aus zu den Überresten des mittelalterlichen Valkhofs – angeblich nach Falken benannt, die im Vorhof der Burg gehalten wurden. Kein Geringerer als Kaiser Friedrich Barbarossa baute Mitte des 12. Jahrhunderts diese 1047 abermals niedergebrannte Pfalz in eine imposante Burganlage um, und im November 1165 erblickte sein Sohn, der spätere Heinrich VI., hier das Licht der Welt. Ebenfalls noch vorhanden sind auf dem Valkhof-Gelände die Ruinen der Chorapsis der Martinskapelle aus dem 12. Jahrhundert. Ein Jammer bei all dieser Geschichte, dass die Provinz Gelderland den Valkhof 1796 zum Abbruch verkaufte.

Doch noch einmal zurück in der Stadtgeschichte: 1230 erhielt Nijmegen den Status einer freien Reichsstadt, um freilich schon einige Jahre später als Pfand in die Hände des Grafen Otto II. von Gelderland zu gelangen. 1402 begann die Mitgliedschaft in der Hanse, mit Handelsbeziehungen nach England und in den Ostseeraum. 1543 kam die Stadt in spanische Hände, 1591 wurde sie  durch Prinz Moritz zurückerobert, und 1678 war Nimwegen Schauplatz des Friedensschlusses zwischen Frankreich und der Republik der „Sieben Vereinigten Provinzen“.

Shakespeare in love Angetreten: die Service-Crew erfüllt jeden Passagierwunsch

Und heute? Zeichnen die Stadt an der Waal ein kleiner gepflegter Altstadtkern, interessante Museen und lauschige Parkanlagen aus. Dem schon erwähnten Grafen Otto II. verdankt die rund 168.000 Einwohner zählende Universitätsstadt auch den Bau ihres Wahrzeichens: Die Mitte des 13. Jahrhunderts begonnene Stevenskerk, 1273 dem heiligen Stephanaus geweiht, beherrscht bis heute die Stadtsilhouette. Nach zahlreichen baulichen Ergänzungen konnte 1475 ein Stiftskapitel eingerichtet werden, das aber zum Ende des 16. Jahrhunderts aufgehoben wurde: Nach dem Bildersturm war 1591 endgültig die Reformation eingeführt worden. Und 1944 wurde die imposante Kirche Opfer eines schrecklichen, dazu noch irrtümlichen alliierten Bombardements: Nachdem ein Luftangriff auf Gotha abgebrochen wurde, wollten die Piloten ihre vernichtende Last über Kleve entladen – und trafen Nimwegen. So wurde der 22.02.1944 zum Schicksalstag für die Stadt. Doch der Wiederaufbau des imposanten Gotteshauses, 1953 bis 1969 erfolgt, gelang  auf beeindruckende Weise.

Mittlerweile sind wir Zurück auf unserem schwimmenden Komforthotel – und nutzen die Gelegenheit, die im Salon offerierte „Light Lunch Alternative“ zu genießen: Muscheln, Pommes frites, Suppen und Salate als Abwechslung von den Menüs der Bordrestaurants. Am Nachmittag verlässt die Amelia den Anleger und nimmt Kurs auf Köln. Und während vor den Fenstern der lebhafte Schiffsverkehr auf Waal und Rhein vorbeizieht, wird schon das Abschieds-Galadinner aufgetischt. Kapitän, Hotelmanager und Kreuzfahrtleiter verabschieden sich von begeisterten Gästen, die allesamt bestätigen: Auch kurze Vergnügen haben großen Reiz!

Text & Fotos: Marc Tragbar



Das Schiff: MS Amelia



Die MS Amelia der Reederei Scylla AG fährt im Vollcharter bei Phoenix Reisen, Bonn, unter Schweizer Flagge und mit Basel als Heimathafen. Sie wurde 2012 gebaut, ist 135 Meter lang und 11,40 Meter breit; der Tiefgang beträgt 1,60 Meter.

Maximal 216 Gäste finden in Kabinen von 14 bis 16 Quadratmetern Platz; die Crew zählt 42 Köpfe. Besonderheiten sind ein Whirlpool an Deck, ein Lift, eine Sauna mit Dampfbad und ein kleiner Fitnessbereich.

Kontakt und Info: www.phoenixreisen.com


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