Mögen allein auf der Donau auch weitaus mehr Passagierschiffe verkehren als auf sämtlichen hier folgenden Flüssen zusammen – Entdeckungen sind auch die unbekannteren Flussreviere Europas allemal. Hoch im Norden zählt dazu eine Strecke, die eigentlich eher als „Wassertreppe“ zu bezeichnen ist: der Götakanal in Südschweden, der 66 (!) Schleusen hat und von Göteborg quer durchs Land nach Stockholm führt. Erleben kann man das auf den ältesten Passagierschiffen der Welt (vergleiche Schiffsporträt Juno): Langsamkeit made in Sweden.
Einen Hauch von Hochseekreuzfahrt vermittelt dagegen die Fahrt auf einem der schönsten Flüsse Frankreichs: Die Schiffe, die auf der Seine von Paris aus durch die Gartenlandschaft der Normandie ziehen (etwa die Cézanne), fahren in Le Havre bereits in Atlantikwasser. Auch Rouen, die schönste Stadt an diesem durch altes europäisches Kulturland mäandernden Fluss, ist ein Hochseehafen – tief im Landesinneren.
Ähnliches gilt für Porto am Rio Douro: Die Stadt, die sich (nicht ganz zu Unrecht) gern als „heimliche Hauptstadt Portugals“ sieht, liegt eine halbe Stunde vom Meer entfernt, blickt aber genauso ins Landesinnere wie zum Atlantik: Sie ist der traditionelle Umschlagplatz des Portweins, der am Douro heranreift. Und der natürlich das Leitmotiv der Fahrten auf diesem Fluss ist, die bis an die Grenze zu Spanien führen, wo der Douro – noch „Duero“ genannt – entspringt (hier fährt zum Beispiel die Douro Cruiser).
Ganz im Zeichen der Kunst stehen Reisen auf Italiens größtem Fluss, dem Po. Mantua, Padua, Ferrara, dazu Ravenna, Verona, Venedig in Ausflugsnähe: Die Herzen von Italien-Fans schlagen bei Nennung dieser Kunststädte höher. Der Ehrlichkeit halber einwenden muss man allerdings: Der Fluss selbst ist unspektakulär; deutsche Anbieter von Po-Kreuzfahrten gibt es daher zurzeit nicht. Wer es trotzdem ausprobieren will: Croisi Europe hat den Po im Programm.
Zurück nach Deutschland: Von der Elbe kann man über die Havel nach Berlin fahren – und von Berlin über den Oder-Havel-Kanal zur Oder. Interessant daran: Nach der Fahrt über den geschichtsträchtigen deutsch-polnischen Grenzfluss steuern die Schiffe die offene Ostsee an. Über Usedom, Rügen und Hiddensee fährt man durch den Vorpommerschen Bodden bis in den Hafen von Stralsund.
Last but not least: Das wohl „exotischste“ Flussabenteuer Europas ist eine Reise durch die Ukraine – auf dem Dnjepr von Kiew ans Schwarze Meer. Diverse Veranstalter bieten die Tour an, auf Schiffen, die Hochseekaliber haben. In aller Regel nämlich fahren sie weit über Cherson an der Dnjepr-Mündung hinaus: nach Odessa, nach Sewastopol auf der Krim oder gar bis nach Varna in Bulgarien.