Jahrzehntelang fristete die Elbe ein Schattendasein: Eine längere Strecke war Teil des Eisernen Vorhangs zwischen Ost und West. In dieser Zeit wurde sie zum einen kräftig als Kloake missbraucht, zum anderen aber blieb längs der Grenze auch eine natürliche Auenlandschaft erhalten, die heute als „Naturpark Elbtalaue“ (zwischen Bleckede und Hitzacker) unter Schutz steht. Wer von Hamburg aus die Elbe aufwärts fährt, kann dieses für Europas Flusslandschaften fast einzigartige Ökosystem erleben. Die meisten Passagierschiffe aber befahren die Elbe weiter südlich: von Magdeburg über Wittenberg, Meißen und Dresden bis ins Elbsandsteingebirge und weiter auf der Moldau bis nach Prag, das neben Dresden, dem wieder zu altem Glanz gekommenen „Elbflorenz“ Augusts des Starken, das sehenswerteste Etappenziel ist. Wenig bekannt ist, dass man von der Elbe aus auch Berlin ansteuern kann, ohne ein einziges Mal den Fuß an Land zu setzen – Havel und Elbe-Havel-Kanal machen’s möglich. Und jeder, der hier reist, wird Potsdam besuchen: Schloss Sanssouci und seine Parks sind Juwelen europäischer Kultur.
Die Elbe (auf Tschechisch „Labe“) entspringt im südlichen Riesengebirge. Von den insgesamt 1.165 Stromkilometern sind 940 schiffbar – sofern Niedrigwasser das nicht vereitelt. Leider ist das im Sommer bei Elbfahrten nie auszuschließen; wenn das Schiff nicht weiterkommt, wird die Kreuzfahrt zur Busreise.
HÖHEPUNKTE
Hamburg, das „Tor zur Welt“, hat viel zu bieten: Opern und Musicals, den Michel, den Hafen … und die neue HafenCity direkt neben der historischen Speicherstadt. Viel neuen Glanz hat Dresden erhalten – mit der restaurierten Semperoper, der wiedererrichteten Frauenkirche und dem wiedereröffneten Grünen Gewölbe des Zwingers, in dem überwältigende Kunstschätze ausgestellt sind. In Meißen, der „Wiege Sachsens“, sollte man neben dem Dom und der Albrechtsburg auch die Porzellanmanufaktur besuchen; die Exponate sind atemberaubend. Landschaftserlebnisse bieten das Elbsandsteingebirge und – in kultivierter Form – der Wörlitzer Park bei Wittenberg. Am Nebenfluss Moldau bildet Prag den krönenden Abschluss. Dort wandelt man auf den Spuren Franz Kafkas, Mozarts oder des braven Soldaten Schwejk – so wie man in Potsdam an der Havel dem Geist der Preußenkönige nachspürt und in Berlin den Metamorphosen einer neuen, alten Kapitale.