Abendstimmung an der Donau bei Budapest (Foto: iStock)

Donau

Nach der Wolga ist die Donau mit 2.888 Kilometern der zweitlängste Strom Europas. Anders als bei anderen Flüssen werden die Stromkilometer hier von der Mündung zur Quelle gezählt, also von „Null“ im Delta am Schwarzen Meer bis zu Kilometer 2.888 bei der Bregquelle im Schwarzwald. Durch den Main-Donau-Kanal ist der Fluss seit 1992 auch mit dem Rhein verbunden, so dass manche Schiffe die Reviere wechseln können. Einige der derzeit 120 Donauschiffe fahren bis ins Delta ans Schwarze Meer, die klassische Strecke aber ist der Abschnitt zwischen Passau und Budapest. Ausgangspunkt ist meistens das bayerische Passau; wegen der guten Fluganbindung wird aber auch Wien immer öfter zum Startpunkt für Donaureisen. Die übliche Reisezeit ist von Mai bis Mitte Oktober, stimmungsvoll sind auch Advents- und Weihnachtsreisen.


HÖHEPUNKTE
Passau, die Dreiflüssestadt an Donau, Inn und Ilz, ist mehr als nur ein An- und Abreisehafen. Die gut erhaltene Altstadt wird überragt vom Dom St. Stephan, in dem Europas größte Orgel zu bewundern ist. Aufgrund der Engpässe an den Kaimauern wurde in Lindau vor den Toren der Stadt ein neuer Anleger gebaut. Leider sind es von dort vier Kilometer bis in die Innenstadt.

Zwischen Linz und Wien „frisst“ sich der Strom auf einer Länge von 30 Kilometern durch die Weinanbaugebiete der Wachau. Dieser für viele landschaftlich schönste Abschnitt der gesamten Donau beginnt kurz hinter Melk, wo die berühmte, im 11. Jahrhundert gegründete Stiftskirche steht – das Wahrzeichen der Wachau. Malerisch ist auch das Weinstädtchen Dürnstein.

Das Wiener Schloss Schoenbrunn steht auf der Liste der Sehenswuerdigkeiten an der Donau ganz weit oben (Foto: Plantours und Partner)In Wien hält man etwas außerhalb am Anleger Nußdorf oder am zentraleren Handelskai. Von dort aus lässt sich die Stadt gut auf eigene Faust erkunden. Top-Sehenswürdigkeiten sind die Hofburg (unter anderem mit der Spanischen Hofreitschule), der Stephansdom und Schloss Schönbrunn. Wenn das Schiff über Nacht bleibt, gibt es meist einen Abendausflug zum Heurigen nach Grinzing.

Bratislava, die Hauptstadt der Slowakei, ist für viele eine echte Überraschung. Die Altstadt des ehemaligen Pressburg ist bestens restauriert. Beliebte Treffpunkte der lebendigen Stadt sind der Hauptplatz und die abzweigenden Gassen mit ihren Bars und Cafés. Vom Anleger kommt man zu Fuß in wenigen Minuten in die Altstadt.

Erste Höhepunkte in Ungarn sind die nachts angestrahlte Basilika von Esztergom und die schöne Landschaft am Donauknie bei Visegrád.

Budapest ist eine der am schönsten gelegenen Städte Europas. In der ummauerten Altstadt Buda am bergigen Ostufer der Donau stehen die Matthiaskirche und das barocke Königsschloss der Habsburger. Nebenan unter dem Gellertberg lohnt sich ein Besuch des nostalgischen Gellert-Bads. Auf der Pester Seite befinden sich das berühmte Parlamentsgebäude und viele Prachtbauten aus der Zeit der Donaumonarchie am Ende des 19. Jahrhunderts. Die Schiffe legen auf der Pester Seite an. Von dort sind es nur wenige Minuten in die Fußgängerzone Váci utca. Stadtrundfahrten sind zu empfehlen, zumal besonders der Stadtteil Buda sehr hügelig ist.

Die südungarische Puszta erlebt man zwischen der barocken Bischofsstadt Kalocsa und Mohács: akrobatisch gerittene Pferde, Rinderherden und Paprikafelder in der schier endlosen Weite der pannonischen Tiefebene.

Weiter stromabwärts besuchen die Schiffe das heute serbische Novi Sad, die Hauptstadt der Vojvodina mit der gewaltigen Festungsanlage Petrovaradin hoch über dem Fluss. Sie erzählt von der wechselvollen Geschichte der Türkenkriege. Nachdem die Heere der Osmanen ab 1389 entlang der Donau nach Mitteleuropa vorgestoßen waren, wurden sie nach ihrer Niederlage vor Wien 1683 in den folgenden zwei Jahrhunderten wieder zurückgedrängt. In Architektur, Küche und Folklore hinterließen die Osmanen ihre Spuren, in Klöstern wie Krusedol in der Fruska Gora jedoch blieb der christliche Glaube lebendig.
 
In der Metropole Belgrad steht die zweitgrößte Basilika der orthodoxen Christenheit, St. Sava. Die über 2.000-jährige Geschichte der serbischen Hauptstadt kann man in der weiten Festungsanlage Kalemegdan nachempfinden, die über dem Zusammenfluss von Save und Donau wacht.

Das eiserne Tor zaehlt zu den landschaftlichen Hoehepunkten der Strecke ins Donaudelta (Foto: Fotolia)Der landschaftliche Höhepunkt der unteren Donau ist die Kataraktenstrecke des Eisernen Tors: Auf einer Länge von 100 Kilometern zwängt sich der Strom durch die bewaldeten Berge der Karpaten. An der engsten Stelle, dem „unteren Kasan“, ist die Donau zwischen den steil aufragenden Ufern nur 145 Meter breit – bei 90 Metern Wassertiefe. Bis zur Vollendung des Djerdap-Staudamms 1967 war das Eiserne Tor eine gefährliche Passage. Bevor mit dem Rückstau der Wasserspiegel um 40 Meter angehoben wurde, gab es nämlich Felsen und Strudel, die nur ortskundige Lotsen umfahren konnten. Heute ist die sechs Stunden dauernde Passage ein eindrucksvolles Naturerlebnis. Fotomotive wie das rumänische Kloster Mracuna an der engsten Flussstelle und der Felsenkopf des letzten Dakerkönigs zeugen von der römischen Geschichte Rumäniens.

Auf den unteren 940 Kilometern zieht der Strom gemächlich durch die walachische Ebene bis zum Delta. Da er bisher nicht reguliert wurde, gibt es malerische Ausblicke auf grüne Ufer, Sandbänke und kleine Orte in Rumänien und Bulgarien. Man besucht das bulgarische Vidin, macht Ausflüge von Rousse in das mittelalterliche Veliko Tarnovo oder zum rumänischen Schwarzmeerhafen Constanta mit dem Seebad Mamaia. Höhepunkt an der unteren Donau ist das Delta mit seinen stillen Wasserläufen und Seen, die man von Tulcea aus mit kleinen Booten erkundet. Der berühmte „Flusskilometer Null“ am alten Leuchtturm von Sulina am Schwarzen Meer bildet meist den Abschluss der Reise.

Auf dem mittleren Deltaarm geht es dann zurück bis Hârsova und weiter mit dem Bus nach Bukarest, von wo aus der Heimflug angetreten wird. Wer dort noch Zeit für Besichtigungen hat, erlebt eine Metropole, in deren Architektur sich westeuropäische, osmanische und sozialistische Einflüsse bunt mischen.



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